KRETA

Das Rückgrat der Bergketten und das südliche Mittelmeer schafft Weine mit üppiger
Textur und einer tiefen mediterranen Seele

Auf Kreta kletter der Weinberg an Hängen hoch, findet Halt an Trockenmauerwerk und blickt in allen vier Himmelsrichtungen aufs Meer. Die Gebirge Lefka Ori, Psiloritis und Dikti bieten Kühle und nächtliche Winde, die für Erholung von der großzügigen Sonneneinstrahlung sorgen. Die Kalkstein- und Schieferböden mit Sand und reichlich Kiesel schränken den Ertrag ein und liefern geschmackliche Konzentration. So entsteht ein Inselterroir mit reiner Säure, reifer Frucht, phenolischem Detail und diskretem salzigen Geschmack.
Die Weinbaukarte umfasst vier historische Ursprungsbezeichnungen. Das Gebiet g.U. Pesa in der Umgebung von Heraklion bringt Weißweine auf Vilana-Basis hervor, die frisch, zitronig und unkompliziert sind. Zugleich bietet sie Rotweine mit Kotsifali in der Hauptrolle, das oft für mehr Farbe und Struktur mit Mandilaria kombiniert wird. Das Gebiet g.U. Archanes ist ausschließlich rot gefärbt und bringt die klassische Kombination aus Kotsifali und Mandilaria zum Ausdruck, mit weicher, roter Frucht, mediterranen Kräutern und feinkörnigen Tanninen, die eine lange Reifung ermöglichen. Das Gebiet g.U. Dafnes an den südlichen Hängen von Heraklion ist der Rebsorte Liatiko zugewandt und ergibt trockene und süße Weine mit leichter Farbe, Aromen von getrockneten Früchten und Gewürzen und seidiger Textur. Zudem bietet das Gebiet g.U. Sitia leuchtende, salzige Weißweine aus Vilana (oftmals auch Thrapsathiri) und Rotweine aus Liatiko, allein oder mit Mandilaria, die mit ihrem Temperament und Charme überzeugen.
Hier erwacht auch eine alte Tradition zum Leben, die sonnengetrockneten Malvasia- Weine. Das Gebiet g.U. Malvasia Chandakas – Candia ehrt den alten kommerziellen Ruf von Heraklion und produziert ausschließlich süße Weine aus sonnengetrockneten Weintrauben mit bernsteinfarbenen Nuancen und Noten von Honig, Karamell, Nüssen und Gewürzen. Das Gebiet g.U. Malvasia Sitia bereichert den Osten von Kreta mit Süßweinen von seltener Ausgewogenheit, wo die Süße durch lebhafte Säure und Mineralität ausgeglichen wird.
Neben den Ursprungsbezeichnungen geben die geographischen Angaben Freiheit und Präzision. Die Zone g.g.A. Kreta dient als „Schirm“ für die gesamte Insel, während die g.g.A. Chania, g.g.A. Rethymno, g.g.A. Heraklion und g.g.A. Lasithi die vier Spitzen des kretischen Mosaiks bilden. Im Norden bringen die g.g.A. Slopes of Ida und g.g.A. Slopes of Dikti Höhenlage, Orientierung und Mikroklima zum Ausdruck und ergeben Weine mit feinen Linien und intensivem aromatischem Profil.
Die Seele der Insel steckt in den einheimischen weißen Rebsorten. Vilana verleiht den traditionellen Weißweinen aus Pesa und Sitia Klarheit und Authentizität. Der aufkommende „Star“ Vidiano spendet saftigen Pfirsich, weichen Körper und cremige Textur und harmoniert besonders gut mit Weintrub und diskreter Eiche, um Weißweine mit Tiefe und Lagerpotential zu ergeben. Thrapsathiri sorgt für Körper und gibt einen salzigen Ton. Plyto spendet rassige Säure und Transparenz, während Dafni mit seinem botanischen Profil aus unverwechselbarem Lorbeeraroma und Zitronen-Thymian überzeugt. An ihrer Seite erhält Assyrtiko kretischen Charakter mit mehr Sonne aber stets scharfer Säure und die Moschato-Traube, einschließlich des Moschato Spinas, ergibt aromatische trockene bis süße Varianten.
Unter den Rotweinen ist Kotsifali der Stilist: reife, rote Frucht, weiche Tannine und ein herzlicher Kern. Mandilaria sorgt hingegen für Farbe, Säure und Struktur. Zusammen ergeben sie die klassischen kretischen Cuvées voller Charme und mediterranem Temperament. Das Liatiko, entweder aus Dafnes oder Sitia, erscheint entweder in seiner fein ausgebauten trockenen Version oder als rührender Süßwein mit Komplexität und Tiefe. In Chania hält das Romeiko die lokale Tradition mit seinem Profil aus Erde und Kräutern aufrecht. Zugleich haben die internationalen Rebsorten hier ein neues Zuhause gefunden: Syrah mit Pfeffer und Tinte, Cabernet Sauvignon mit Struktur und Tiefe, Merlot mit samtiger Textur. In der g.g.A. Kreta und den untergeordneten g.g.A. der Regionen findet man sortenreine Varianten und Cuvées wo ortsfremde Sorten kretischen Charakter erhalten.
Die Winzer arbeiten hauptsächlich an Hängen, oft mit der Hilfe von Trockenmauerwerk, wo Handarbeit die Maschinen ersetzt. Die Lese erfolgt früh morgens oder mit Unterbrechung mittags, um die Frische zu erhalten. Im Weinkeller kommen Edelstahltanks für Frische, Kontakt mit dem Weintrub für Textur und diskrete Eiche für Körper zum Einsatz, ohne den ortstypischen Charakter zu überdecken. Immer häufiger sieht man eine Rückkehr zur Gärung in Amphoren, einer modernen Interpretation einer alten Methode, die feine erdige Töne verleiht und eine milde Oxidation ermöglicht.
So kombiniert Kreta das großzügige mediterrane Klima mit der Nüchternheit des Gebirges und Tradition mit Mut. Von den g.U. Pesa, g.U. Archanes, g.U. Dafnes, g.U. Sitia und den süßen g.U. Malvasia Chandakas – Candia und g.U. Malvasia Sitia bis zum Netzwerk der g.g.A. Kreta, g.g.A. Chania, g.g.A. Rethymno, g.g.A. Heraklion, g.g.A. Lassithi, g.g.A. Slopes of Ida und g.g.A. Slopes of Dikti bietet die Insel Weißweine aus Vilana, Vidiano und Thrapsathiri mit charakteristischer salziger Frische, Rotweine aus Kotsifali, Mandilaria und Liatiko mit feiner Struktur, duftende trockene Muskateller und bernsteinfarbene, sonnengetrocknete Malvasia-Weine. Es handelt sich um Weine, die präzise ihre Herkunft widergeben: Sonne in Maßen, Frucht mit Substanz und temperamentvolle Mineralität. Weine, die für authentischen Weinbau inmitten der Ägäis stehen.

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